sheeplog

Wer weniger etablierte Medien konsumiert, sich für Kommentarspalten nicht zu fein ist und aktuelle gesellschafts-politische Diskurse an der Basis verfolgt, dem muss die wachsende Diskrepanz zwischen herrschender und niederer Meinung gerade zu ins Auge stechen.

Materiell wurde das Ganze als sich zwei Gesprächspartner über Rainer Rupp’s Aussage in der Dokumentation “Welt am Abgrund” (ZDF, 2011), die NATO hätte mit der Militär-Übung Able Archer provoziert, lustig machten. Mit dem Tenor “Wenn jemand provoziert, dann die Russen.”.

Provokation, die

Herausforderung, durch die jemand zu [unbedachten] Handlungen veranlasst wird oder werden soll – http://www.duden.de/rechtschreibung/Provokation

Wie war das 1983? Die Beziehungen zwischen UDSSR und USA waren nicht die besten. Dennoch entscheidet sich die NATO für die geheime Militärübung “Able Archer” auf ehemaligem Kriegsgebiet nahe des Gegner’s Grenze. Dies soll, laut der universitär gebildeten Gesprächsrunde, keine Provokation gewesen sein.

Selbst vor Able Archer - auch laut offizieller Geschichtsschreibung - kreuzte die NATO verstärkt in der Ostsee, dem schwarzen Meer und dem Nordatlantik. In früheren Zeiten hatten die USA ständig, jeden Tag, Atombomber in der Luft.

Ende der fünfziger bis Mitte der sechziger Jahre, zur explosivsten Zeit des Kalten Krieges, kreisten rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, einsatzbereite US-Bomber mit A-Bomben in der Luft. Ihre vier Hauptrouten führten über Grönland, Spanien und das Mittelmeer, über Japan und Alaska.
spiegel.de

In Schweden stiftete man mithilfe von U-Booten dann noch totale Verwirrung und womöglich falsche Schuldzuweisungen als zwischen 1980 und 1990 in schwedischen Gewässern U-Boote gesichtet wurden.

Im Jahr 2000 räumte der frühere US-Verteidigungsminister Caspar Weinberger ein, dass Nato-U-Boote in schwedischen Gewässern operiert hatten.
welt.de

Offensichtlich war mein Einwand, Herr Rupp hätte doch Recht, unbegründet.

NATO

Die NATO wurde zu Beginn des Kalten Krieges als Verteidigungsbündnis gegründet. Ebenso der Warschauer Vertrag als Gegenstück auf sovietischer Seite. Aufällig ist, dass der Warschauer Vertrag, in westlich-negativer Konnotation “Packt” genannt, mit dem Zerfall der Sovietunion aufgelöst und nicht ersetzt wurde während das NATO-Bündnis bis heute existiert — in Absenz eines realen Gegners. Spätestens seit den Jugoslawienkriegen, nach Aussagen von OECD-Mitarbeitern (z.B. Henning Hensch; siehe dazu “Es begann mit einer Lüge”, WDR, 2001), existiert die Abweichende Meinung, die NATO wäre zum Angriffsbündnis verkommen.

Kanzler a.D. Gerhard Schröder gab selbst öffentlich zu, dass der Kosovo-Krieg eines UN-Mandats entbehrte und er offen das Völkerrecht gebrochen hat.

In Nürnberg wurden Menschen für weniger hingerichtet.

Der kognitive Tellerrand

Wenn Zeitgenossen zum lebenden Beweis dafür werden, dass ein Studium lediglich noch wirtschaftlichen Wert hat. Wenn der Status Quo nicht hinterfragt wird, Blickwinkel nicht geändert werden. Wenn “die Lehre” einfach nur gefressen und argumentiert wird, diese NATO sei die bessere Alternative zu Staaten, die uns — Mitteleuropa — außer Rand und Band einfach überrennen würden (während Russland seit dem 2. Weltkrieg keine Gebietserweiterungen in dem Maße angestrebt hat, wie es die NATO tut).

Wenn solch FUD verinnerlicht, geglaubt und verbreitet wird, die Schere im Kopf den kognitiven Tellerrand zeichnet, wundert mich nicht mehr, warum es an deutschen Uni’s keine Protestkultur gibt sondern nur noch Perwoll-Kritik-fähiges Mainstream-Gewäsch vom Band fällt.

Ekelhaft.